Die Herausforderung „Digitalisierung“ ist in aller Munde. Sie schreibt das Manuskript des Change-Managements komplett neu. Bereits die klassische Vision, wie sie in herkömmlichen Projekten erschaffen wird, ist in Digitalisierungsprojekten am Anfang nahezu unmöglich zu formulieren – das erschwert die Transformation in Unternehmen jeglicher Größe erheblich.

In diesem Artikel betrachtet der Autor die wichtigste Phase: Die Erste.

„Die Digitalisierung erfordert gezieltere Beratung – von Anfang an“

Die Beratung muss von Anfang an auf digitale Projekte ausgerichtet sein. Die dafür notwendigen Methoden, Werkzeuge und Analysen sind vor 2000 in Managementbüchern nicht zu finden: Scrum, Lean, Cloud-Computing und Design-Thinking.

Bevor ein Unternehmen jedoch über die zuvor angesprochenen Themen nachdenken sollte, ist es wichtig, die erste Phase mit viel Konzentration und fachlichem Know-How abzuschließen, denn die erste Phase bildet den Grundstock für ein erfolgreiches Projekt.

Der Anfang eines Digitalisierungsprojektes ist jedoch noch einige Stufen vor der Formulierung einer Vision und der eigentlichen Umsetzung entfernt. Bevor die Frage „Wo wollen wir hin“ beantwortet werden kann / soll, müssen die Teilnehmer „aufgelockert“ und für „digital“ sensibilisiert werden.

Wie sollte vorgegangen werden?

Auf der folgenden Abbildung sehen Sie zwei verschiedene Managementansätze für phasenorientierte Projektsteuerung.

Gesehen auf: https://bankinghub.de/innovation-digital/change-management

Kurt Lewin fasst mit der Phase „Auflockern“ bereits die Planung bzw. Analyse mit ein. Für die Annahme, dass Digitalisierungsprojekte in der ersten Phase detaillierter angegangen werden sollten, eignet sich eher die Theorie von John Paul Kotter.

Die erste Phase umfasst die Erzeugung und Entwicklung von Dringlichkeit. Für so ein umfangreiches Projekt, wie es die Digitalisierung ist, benötigt man einen „Need“ im Unternehmen, d.h. die Mitarbeiter und Führungskräfte müssen die Notwendigkeit der Änderung bzw. der Transformation erkennen.

Diese Dringlichkeit muss der zuständige interne Multiplikator oder ein Unternehmensberater wecken – das ist die Kunst. Nur durch die richtigen Fragen und die Einbeziehung der richtigen Personen kann die erste Phase nach John Paul Kotter erfolgreich abgeschlossen werden.

Erst dann kann und sollte die Vision formuliert werden. Die Vision fokussiert sich dann eher auf die Pflicht als auf die Kür. Die Dinge, die am dringendsten sind, werden dann betrachtet und dementsprechend behandelt.

Digitalisierungsprojekte neigen häufig dazu „auszuufern,“ da es unheimlich viele Möglichkeiten zur Optimierung von Unternehmen und Prozessen gibt. Deshalb müssen Unternehmensberater bereits in der ersten Phase das Unternehmen in die richtigen Wege leiten.

„Anders denken – anders handeln“

Die Digitalisierung unterscheidet sich sehr stark von herkömmlichen Projekten und verlangt sehr viel von Beratern ab. Es gibt eine Vielzahl von Eigenarten und Besonderheiten in solchen Projekten. Es geht nicht mehr um einzelne Abteilungen oder Prozesse, sondern um einen ganzheitlichen Wandel bis hin zur Transformation des Geschäftsmodelles.

Bereits die erste Phase entscheidet über den Erfolg des Projektes. Wenn das fachliche Know-How nicht von Anfang an korrekt vermittelt wird, werden die Projektbeteiligten gegebenenfalls die falschen Entscheidungen treffen bzw. die Mitarbeiter negativ beeinflussen.

Mit Standardwerkzeugen aus der Beraterschublade lassen sich diese Herausforderungen nicht mehr lösen. Es sind Präzisionswerkzeuge notwendig, die die neuen Regeln berücksichtigen. Es sind viele neuartige Möglichkeiten auf dem Markt. Nur fokussierte Berater können den Überblick behalten und richtige Empfehlung aussprechen. Neue Werkzeuge, Softwareprodukte und Ansätze müssen eruiert, geprüft bzw. umgesetzt werden.

Hier wird klar, dass sich der Beratungsbedarf stark gewandelt hat. Es sind keine klassischen Unternehmensberater mehr gefragt, sondern fokussierte Berater mit ausgeprägtem Digital-Know-How.